Bestände

Zum Verständnis der Bestände des heutigen Diözesanarchivs ist ein kurzer Blick auf das erste Bistum Aachen notwendig. Dieses wurde im Jahre 1802 errichtet. Grundlage war das zwischen Papst Pius VII. und Napoleon Bonaparte geschlossene Konkordat vom 10. September 1801. Die im Westen durch das linke Rheinufer begrenzte Diözese reichte im Norden bis Kranenburg, Kleve und Koslar, im Süden bis Kirn, Sobernheim, Kreuznach und Stromberg. Bischofssitz und Kathedralkirche waren in Aachen. Nach dem Sturz Napoleons schrieb zwar der Wiener Kongress (1814-15) fast das gesamte Gebiet des Bistums dem Königreich Preußen zu, eine kirchliche Regelung brachte jedoch erst die päpstliche Zirkumskriptionsbulle „De salute animarum“ vom 16. Juli 1821. Die Aachener Diözese wurde aufgeteilt:

Abgesehen von einem kleinen niederländischen Gebiet fiel außer an Trier und Münster der größte Teil an das wiedererrichtete Erzbistum Köln. Es dauerte aber noch fast vier Jahre, bis nach einer letzten Sitzung des Aachener Domkapitels am 24./25. Mai 1825 Auflösung und Aktenübergabe vollzogen wurden.

Das Gebiet des 1930 wiedererrichteten Bistums Aachen – wesentlich kleiner als das napoleonische – reicht im Norden bis Kempen-Krefeld, im Süden bis Blankenheim-Kronenburg und setzt sich zu einem kleineren Teil aus ehemaligen Pfarren der Diözese Münster, zum größten Teil aus Pfarren der Erzdiözese Köln zusammen. Von den relevanten Beständen erhielt das Generalvikariat bzw. das Bischöfliche Diözesanarchiv Aachen alle so genannten Ortsakten (Specialia=Gvo) ab 1824/25, während die Generalia nicht übergeben wurden. Ähnliches gilt für die Bestände des ersten Bistums Aachen und das Gebiet Eupen-Malmedy.

Bis zur Auflösung der Zentralregistratur des Generalvikariats im Jahre 1972 wurde das Schriftgut in regelmäßigen Abständen dem Archiv geordnet übergeben, danach erfolgten Abgaben nur noch sporadisch von wenigen Stellen der Behörde. In den letzten Jahren wurde die Zusammenarbeit mit der Verwaltung stark intensiviert und ein Ablieferungskonzept entwickelt.

Findmittel für die weitaus größten Teile der Bestände sind bisher noch Karteikarten, die meist über Provenienz, Titelaufnahme und Laufzeit hinaus keine inhaltliche Verzeichnung bieten. Neue Zugänge werden direkt in das Archivprogramm AUGIAS aufgenommen.

A. Urkunden

Pfarren, Klöster, Bistum betr. (ab 13. Jh.): 1.482 Pergamenturkunden (Urk) sowie 538 Papierurkunden (Urp)

B. Akten der bischöflichen Verwaltung

Schriftverkehr des Generalvikariats mit den Pfarren, Dekanaten, Kantonalverwaltungen Ordensniederlassungen; Schriftverkehr des Generalvikariats allgemein; Personalakten des ehemals im Bistum Aachen tätigen Pastoralpersonals

Aus der Zeit des ersten Bistums

Bag: Generalia (1801-1825): 0,3 lfm
Bak: Schriftverkehr des Generalvikariats mit den Kantonalverwaltungen (1802-1820): 0,5 lfm
Bao: Schriftverkehr des Generalvikariats mit den Orten = Pfarren, Ordensniederlassungen u.ä. (1802-1824/25): 6 lfm
Bap: Personalia (1801-1825): 0,15 lfm

Aus der Zeit des jetzigen Bistums

(z. T. sind hier ältere Bestände eingegliedert)

Gvd: Schriftverkehr des Generalvikariats Köln bzw. Münster, ab 1930/31 Aachen mit den Dechanten (1824/25-1972): 17 lfm
Gvo: Schriftverkehr des Generalvikariats Köln bzw. Münster, ab 1930/31 Aachen mit den Orten = Pfarren, Ordensniederlassungen u.ä. (1824/25-1972): 485 lfm
Gvo-E: Schriftverkehr des Generalvikariats Köln mit den Orten = Pfarren etc. im Gebiet Eupen-Malmedy (1824/25-1920): 23 lfm
Gvp: Personalakten der im Bistum Aachen tätig gewesenen, verstorbenen Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten/innen: 19 lfm
Gvs: Schriftverkehr des Generalvikariats Aachen, Sachakten = Generalia (überwiegend ab 1930): 76 lfm

Zwischenarchiv:

Abgaben aus der Bischöflichen Verwaltung und von aufgelösten Einrichtungen: ca. 700 lfm

C. Schriftgut anderer Provenienzen

Ala: Schriftstücke verschiedenster Provenienz und Inhalts (ab 17. Jh.): 42,5 lfm
Darunter als Depositum Pax Christi (deutsche Sektion) (1945-2007)
Aut: Autographen (ab 16. Jh.): 1 lfm
Bad: Verordnungen (Drucke) aus der Zeit des ersten Bistums Aachen (1801-1825):
2,5 lfm
Dka: Schriftverkehr der Dechanten mit den Pfarren (1824-1973) – Mischbestand: 16 lfm
Pfa: Schriftstücke und Akten etc. aus einzelnen Pfarren, vornehmlich aus dem Gebiet des heutigen Bistums Aachen (ab 16. Jh.): 7 lfm
Tes: Testamente (ab 17. Jh.): 0,3 lfm

D. Deposita aus Pfarren und der Hohen Domkirche

Pfarrmatrikel (Tauf-, Heirats- u. Sterberegister), z.T. mikroverfilmt: 17 lfm
Pfarrarchive bzw. Teile von Pfarrarchiven: 186 lfm.

E. Nachlässe

(68) meist nur Teilnachlässe oder Nachlasssplitter, überwiegend von Geistlichen. Die Nachlässe sind nur z.T. erschlossen.

Bischofsnachlässe:

Bischof Dr. Joseph Heinrich Peter Vogt (1931-1937): 0,7 lfm
Bischof Dr. Johannes Joseph van der Velden (1943-1954): 0,7 lfm
Bischof Dr. Johannes Pohlschneider (1954-1974/5): 24 lfm
Bischof Dr. Klaus Hemmerle (1975-1994): 11 lfm

F. Sammlungen

Ala Z: Zeitungen (ab 18. Jh. u. eine Zeitung von 1640)
Bilder und Zeichnungen (bes. Bischof Hemmerle)
Fotos: Personen, Orte und Ereignisse
Karten, Pläne
Totenzettel: überwiegend von Geistlichen, besonders aus dem Bistumsgebiet
Zeitungsausschnitte: Artikel zu kirchlichen und pfarrlichen Ereignissen im Bistum ab 1960; ab 1984 systematische Auswertung aller Tageszeitungen im Bistum, eingestellt Ende 2009.

Eine Sonderrolle nimmt das Familienarchiv Rey (Depositum) ein: Urkunden, Akten, Handschriften von 1487 bis Ende 19. Jh. (u. a. Schervier-Scholl): 5 lfm.

Dienstbibliothek

Die Dienstbibliothek (ca. 475 lfm) wird als Präsenzbibliothek geführt. Sammelschwerpunkte sind kirchen-, bistums-, pfarr- und ortsgeschichtliche Literatur sowie Nachschlagewerke.
Hinzu kommt ein historischer Buchbestand von über 3.000 Bänden: Inkunabeln aus dem 15. Jh., Theologica aus dem 16. – 18. Jh., Liturgica aus dem 16. – 18. Jh., „Goldene Bücher“ (= Prämien rheinischer Gymnasien) aus dem 16. – 18. Jh., Sammlung Thomas von Kempen ab 17. Jh., Heiligtumsfahrthefte aus dem 16. – 18. Jh., Bruderschaftshefte aus dem 16. – 18. Jh., die vorwiegend juristische sog. "Bibliothek Palland“ sowie Handschriften und (aus neuerer Zeit) Manuskripte (Hs) verschiedenster Provenienz, darunter ca. 40 Pergamenthandschriften, der älteste Codex aus dem 13. Jh.


WEITERE RELEVANTE EINRICHTUNGEN IM BISTUM:

Bischöfliche Diözesanbibliothek
Adresse: Eupener Str. 132, 52066 Aachen

Kunstgeschichtliche Sammlung des Bistums Aachen
Adresse: Klosterplatz 7, 52062 Aachen