Zur Geschichte des Archivs:

Das Archiv des Bistums Dresden-Meißen befindet sich am historischen Ort, dem Domstift St. Petri in Bautzen. Hier war Sitz eines Kollegiatstiftes, das ab der Reformation auch die Jurisdiktion der ehemals zum Bistum Meißen gehörenden Gebiete in der Lausitz als Nebenland der Böhmischen Krone ausübte. Die kursächsischen Gebiete waren mit der Reformation evangelisch geworden. Im Domstift wurden die Urkunden und Dokumente seit dem 13. Jahrhundert gesammelt; seit dem 16. Jahrhundert gibt es eine umfassende Aktenüberlieferung.

Die domstiftliche Überlieferung betrifft vor allem die Jurisdiktion der Katholiken in der (Ober-) Lausitz, außerdem die Verwaltungs-, Gerichts- und Wirtschaftsangelegenheiten zu domstiftlichen Dörfern und Grundstücken. Zum Domstiftsarchiv, einem Hauptbestand des Diözesanarchivs, gehört zudem eine Urkundenüberlieferung seit 1221. Die eigentlich relativ lückenlose Überlieferung ab ca. 1570 war Ende des 17. Jh. noch einmal gefährdet, als zwei Domdekane versuchten, sich mit Archivmaterial zu versorgen und vor allem mit Privilegien etc. auszuweisen. Ein Teil domstiftlicher Akten wurde Ende des 19. Jh. auf dem Boden gelagert und erst 1934 wieder aufgefunden. Insgesamt handelt es sich in dem Bestand um ca. 9.000 Faszikel, zu denen auch die noch erfolgenden Zuwächse aus dem Bereich des Kathedralkapitels St. Petri als Nachfolger des Kollegiatkapitels zählen.
In einigen wenigen Bereichen gibt es Überschneidungen mit der Domstiftsbibliothek: Im dortigen Handschriften-Bestand finden sich Faszikel bzw. Bände mit Predigten und Aufzeichnungen von Domherren, die keine klare Abgrenzung zum archivischen Nachlaß der Betreffenden aufzeigen.

Von der erst Ende des 17. Jh. wiedererstandenen katholischen Kirche in den sächsischen Erblanden, dem Anfang des 18. Jh. gegründeten Apostolischen Vikariats, sind kaum Akten überliefert, da diese traditionsgemäß auch nach der Bistumswiedererrichtung 1921 in Dresden aufbewahrt wurden und dort am 13./14. Februar 1945 verbrannten.

Als das Bistum Meißen 1921 wiedererrichtet wurde, trat das Ordinariat in die Nachfolge des Konsistoriums der Apostolischen Administratur der Oberlausitz. In der Anfangszeit überlappt sich die Überlieferung teilweise; traditionell an das Konsistorium eingesandte Unterlagen wurden z. T. immer noch in den Bestand des Domstiftsarchivs aufgenommen, auch wenn das beiliegende Anschreiben an das Ordinariat adressiert wurde.

Die Akten des Ordinariats wurden in Form einer Altregistratur abgelegt. Mit Verlegung des Bischofssitzes nach Dresden 1980 und der Umbenennung des Bistums in Dresden-Meißen wurden einige noch benötigte Akten mit in das neue Verwaltungsgebäude nach Dresden genommen. Inzwischen wird eine systematische Rückführung aller Akten bis 1990 nach Bautzen angestrebt. Mit dieser Zusammenführung aller Bestände ist auch die systematische Verzeichnung nach einem Archivplan beabsichtigt. In den Pfarreien des Bistums Dresden-Meißen werden die pfarrlichen Akten dezentral aufbewahrt.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein oblag die Sorge für das Archiv einem Domherrn, der dieses nach seinem eventuell vorhandenem historischem Interesse entsprechend ausfüllte und beförderte oder an einen „Officianten“ delegierte. Die Qualität der Überlieferung hängt eng mit diesen personellen Verflechtungen zusammen. Erst seit 1933 gibt es einen hauptamtlichen Archivar. Der erste, Dr. Otto Rudert, verzeichnete alle Akten des Domstifts neu, wobei er die überlieferte Ordnung als Grundlage nahm. Bis zu diesem Zeitpunkt betraf das vor allem den Bestand des Domstiftsarchiv. Regestenwerke zu den Urkunden liegen schon seit Ende des 19. Jh. vor; Rudert schrieb aber einen großen Teil der frühen Urkunden ab und verzeichnete deren Volltext in einer Personen- und Ortskartei. Die Akten sind hingegen nur nach ihrem Aktentitel in einer Personen- und Ortskartei recherchierbar.

Die Überlieferung des Diözesanarchivs, vor allem die des Domstiftsarchivs, spiegelt einen wesentlichen Teil nicht nur der Kirchengeschichte Sachsens, sondern der Verankerung von Glauben und Seelsorge im Leben der Einwohner in der Lausitz wider. Nicht wenige Orte der Lausitz können ihre Ersterwähnung mit domstiftlichen Urkunden nachweisen. Für das Bistum Dresden-Meißen und seine Pfarreien ist es das „historische Gedächtnis“.