Zur Geschichte des Dom- und Diözesanarchivs Mainz

Das Dom- und Diözesanarchiv ist als eigenständige Organisationseinheit innerhalb der Verwaltung des Bistums seit dem Jahr 1944 nachweisbar. Gleichwohl wird seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert der Titel eines „Diözesanarchivars“ verliehen. Mit dieser Bezeichnung werden verdiente Kirchenhistoriker geehrt, so beispielsweise Dr. Franz Falck, Pfarrer von Klein-Winternheim in der näheren Umgebung der Stadt Mainz, seit 1887. Der Titel ist eindeutig als Auszeichnung zu verstehen, nicht als Funktionsbeschreibung. Eine Änderung dieser Situation erfolgte erst Jahrzehnte später.
Die Verwaltung des Bistums begann im 19. Jahrhundert praktisch ohne Vorakten sozusagen beim Nullpunkt. Die Notwendigkeit eines Archivs ist somit anfangs nicht gegeben. Die Akten der personell auf wenige Personen beschränkten Diözesanverwaltung verbleiben zunächst noch bei der Verwaltung. Eine Trennung zwischen Registraturgut und Archiv erfolgt erst in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, als im November 1944 der Priester und Bibliothekar Anton Philipp Brück zum Archivar des Domes und der Diözese ernannt wird; er erhält die Aufgabe, neben der zentralen Überlieferung von Bistum und Domkapitel auch die Archive der Pfarreien zu beaufsichtigen und für ihre Ordnung zu sorgen. Gleichzeitig wird angeordnet, in der Diözesanverwaltung eine Trennung der Akten zwischen Registratur und Archiv vorzunehmen. Dies stellt sozusagen den Gründungsakt des Dom- und Diözesanarchivs Mainz dar, das nun als eigene Organisationseinheit in der Diözesanverwaltung faßbar wird.
Mit dem Auftrag „im Domarchiv die Kapitelsakten aus den übrigen Akten auszusondern und getrennt aufzubewahren“ ist einige Monate später, im Sommer 1945, der Gründungsvorgang zum Dom- und Diözesanarchiv abgeschlossen. Die Räumlichkeiten des Archivs befinden sich im Dombering d.h. im Obergeschoß des zweigeschossigen Kreuzganges und der angrenzenden kleinen Kapitelsstube (stupa minor).
Das Dom- und Diözesanarchiv umfaßt bei seiner Etablierung im Jahre 1944 lediglich die Archivalien aus der erzbischöflichen Zeit vor 1800. Wo diese im ausgehenden 18. Jahrhundert ursprünglich nach Aschaffenburg geflüchteten Akten nach ihrer Rückkehr nach Mainz in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelagert waren, ist nicht mehr mit Bestimmtheit zu klären. Entweder waren sie von Beginn an im Obergeschoß der kleinen Kapitelsstube im Bereich des Domkreuzganges oder aber im Bischofspalais, der ehemaligen Dumkustorie am Bischofsplatz. Dort fanden seit der Bischofsernennung von Joseph Ludwig Colmar im Jahr 1802 die Verwaltungssitzungen des Bischöflichen Ordinariates (Bezeichnung seit 1830) und des Domkapitels statt. Unter Bischof Burg (1830-1833) wurde auf Beschluß des Bischöflichen Ordinariates der Sitz der für die Registratur zuständigen Kanzlei in das Erdgeschoß des ehemaligen Fechenbacher Hofes (Präsenzgasse 2) verlegt. Dort wurde somit das Schriftgut der laufenden Verwaltung gelagert.
Mit dem Umzug des Dienstsitzes des Bischöflichen Ordinariates in den Neubau Hintere Präsenzgasse 2 2/10 im Jahre 1891 ist der späteste Zeitpunkt für die Verlagerung des Archivs in die Stupa minor im Bering des Domkreuzganges gegeben. Dort, im Obergeschoß der Kleinen Kapitelsstube verbleibt das Dom- und Diözesanarchiv bis zum Umzug in den Arnsburger Hof (Grebenstraße 8) im Sommer 1969. Das Archiv ist hier in Kellerräumen des Arnsburger Hofes in Gemengelage mit der Bibliothek des Priesterseminars (seit 2000 Martinusbibliothek) untergebracht. Die Platzverhältnisse sind von Anfang an begrenzt, so daß auch keine größeren Bestände übernommen werden können. Diese Situation ändert sich erst mit dem Umzug des Dom- und Diözesanarchivs in das ehemalige Rochusstift im Jahre 1991. Am jetzigen Standort des Archivs stehen nach einem zweckbestimmten Umbau des im 2. Weltkrieg ausgebombten historischen Gebäudes ein Volumen von ca. 5 Regalkilometern zur Aufnahme von Altakten zur Verfügung.
Die Zeitgrenze der Akten des Bischöflichen Ordinariates, die vor dem Umzug des Archivs noch bei 1945 lag, wurde auf das Jahr 1970 heraufgesetzt. Die weiteren Abgaben aus der laufenden Verwaltung erfolgen jeweils nach Absprache.
Die Pfarrarchivpflege gehört seit der Einrichtung des Dom- und Diözesanarchivs zu seinen elementaren Aufgaben. Seit dem Umzug 1991 wird in dieser Hinsicht mit sehr viel Aufwand ein eigener Weg bestritten. Die aktuelle Situation der Registraturen und Archive aller Pfarreien des Bistums ist im Dom- und Diözesanarchiv dokumentiert und wird permanent fortgeschrieben.