Geschichte des Bistumsarchivs:

Die Existenz eines Archivs wird erstmals 1242 erwähnt. Damals wurde der Dienst am Hauptaltar von dem des Domküsters getrennt und dem Priester, der diesem Altar diente, wurde auch die Sorge für die Kiste zur Aufbewahrung der Privilegien in der Sakristei übertragen. Kopiare der Urkunden entstanden im 13. Jahrhundert, Verzeichnisse 1415, 1614 und 1765. Um 1720 schrieb der Jesuit Henseler die ältesten Urkunden ab.

Um die gleiche Zeit erhob sich eine Auseinandersetzung um die Echtheit der ältesten Kaiserurkunden. Justus Möser behandelte 1768 die Zeugnisse als echt, und so wurde die Frage erst in den Urkundenwerken der Mitte des 19. Jahrhundert wieder aufgegriffen. Allerdings waren die Originale seit 1720 keinem Gelehrten mehr vorgelegt worden. Erst Bischof Bernard Höting verfügte, dass nach seinem Tod (1898) dem Münsteraner Volkskundler Franz Jostes die Urkunden zwecks Edition zugänglich gemacht werden sollten. Heute gelten sie als gefälscht. Sie bilden einen Sonderbestand des Archivs.
Auch die übrigen ca. 1.500 Urkunden des Dom-Archivs blieben nach 1802 in diözesanem Besitz. Nur die vom Domkapitel selbst handelnden Dokumente wurden mit dem gesamten, 1614 erstmals verzeichneten und 1766 geordneten Aktenarchiv in die spätere Landdrostei überführt.

Ein eigener Archivbestand entstand seit 1349 mit dem Amt des Offizials, der seit dem Ende des 15. Jahrhunderts auch als Generalvikar bezeichnet wurde. Ein Teil der älteren Urkunden – knapp 1.500 – (seit 1080) wurden diesem Aktenbestand zugeordnet. Allerdings ist der Aktenbestand dieser geistlichen Verwaltung überwiegend in staatlichen Besitz gelangt. Einzelne Teile aus dem 18. Jahrhundert befinden sich im ehemaligen Kurkölnischen Archiv zu Düsseldorf (Hauptstaatsarchiv).

Wenn die Urkunden heute weitgehend noch im geistlichen Besitz sind, dürfte dies mit der Fortführung des Domgottesdienstes durch die Domvikare zusammenhängen. Diese hatten erklärt, ohne die mit den Urkunden fundierten Einkünfte mittellos dazustehen.

Die Bestände des Generalvikariats wurden nach 1824 durch Akten der Diözesanverwaltung Münster, bestehend aus den Akten der Pfarreien im Amt Meppen, vermehrt. Diese standen von 1667 bis 1824 unter münsterscher Verwaltung.

Mit dem Amt des Weihbischofs Carl Anton Lüpke als Apostolischer Vikar von Norddeutschland und Dänemark (1841) gelangte ein bis 1789 zurückreichender Aktenbestand nach Osnabrück. Dieser verblieb auch nach der Errichtung des Erzbistums Hamburg im Bistumsarchiv Osnabrück. Durch das Niedersachsenkonkordat fielen nach 1965 Pfarreien der Diözese Hildesheim zu. Die entsprechenden Akten wurden an Hildesheim abgegeben. 1995 wurde das Erzbistum Hamburg gegründet. Akten aus den ehemals zum Bistum Osnabrück gehörenden Gebieten Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden nach 1995 an das Erzbistum abgegeben.

Verluste erlitt das Diözesan-Archiv durch den Bombenangriff vom 13. September 1944, bei dem die Generalia des Aktenbestandes zu 90 Prozent vernichtet wurden. Die Urkunden, Handschriften und die pfarrlichen Korrespondenzen blieben jedoch erhalten. Eine Scheidung des Archivs von der Registratur erfolgte 1977 mit der räumlichen Trennung. Im Sommer 1990 konnte das Bistumsarchiv neue Büroräume und ein mit diesen verbundenes Magazingebäude beziehen.

Die Pfarrarchive werden dezentral in den Pfarreien aufbewahrt. Die Findbücher zu den geordneten Pfarrarchiven werden in den Pfarreien und im Bistumsarchiv vorgehalten. Die Ordnung der Pfarrarchive wird auf Wunsch mit Hilfe des Bistumsarchivs nach einem einheitlichen Aktenplan durchgeführt. Um die Pfarreien bezüglich der Anfragen zur Familienforschung zu entlasten, wurden alle vorhandenen Kirchenbücher verfilmt. Die daraus konvertierten Mikrofiches sind im Bistumsarchiv bis 1875 einzusehen. Eine Herausgabe und Vorlage der Original-Kirchenbücher in den Pfarreien ist untersagt.

Seit 2000 bildet das Bistumsarchiv Osnabrück zusammen mit der Domschatzkammer/Diö-zesanmuseum die Abteilung Kultur und Archiv im Bischöflichen Generalvikariat. Damit haben der Kulturauftrag und die pastorale Einbindung des Archivs zusätzliches Geweicht gegenüber der Dienstleistungsfunktion für die kirchliche Behörde erhalten.