Geschichte

Unter Bischof Meinwerk (1009-1036) finden sich erste Ansätze zur Bildung eines fürstlichen Territoriums. Es konsolidierte sich im 13. Jahrhundert in Auseinandersetzungen vor allem mit den Kölner Erzbischöfen. Das fürstbischöfliche Territorium beschränkte sich in seiner Ausdehnung auf die heutigen Landkreise Paderborn und Höxter. In der Reformationszeit gingen im Norden die ravensbergischen und lippischen, im Osten das braunschweigische, im Süden das waldeckische Territorium des bischöflichen Sprengels zur Reformation über. Das Fürstentum wurde 1802 dem preußischen Staat einverleibt, das Bistum blieb bestehen. Die Archivalien der fürstlichen Verwaltung sowie zum größten Teil die des Domkapitels, der Stifte und Klöster befinden sich heute im Staatsarchiv Münster.

Die Neuordnung der Diözese durch die Bulle „De salute animarum” 1821, brachte dem Bistum einen erheblichen räumlichen Zugewinn und infolgedessen auch einen umfangreichen Schriftgutzuwachs. Es kamen hinzu das Bistum Corvey, vom Erzbistum Köln die Pfarreien des Herzogtums Westfalen und der Grafschaft Mark sowie die Pfarrei Eppe in Waldeck. Das Bistum Osnabrück trat die Dekanate Rietberg und Wiedenbrück ab. Vom Bistum Mainz erhielt Paderborn die Pfarreien Netphen und Siegen, 10 Dekanate des Eichsfeldes, das spätere Dekanat Erfurt in Thüringen und die Pfarreien des Großherzogtums Weimar. Die Pfarrei Minden und 17 sächsische Pfarreien gab das Apostolische Vikariat der Nordischen Missionen ab. Als letzte Neuerwerbungen kamen zwischen 1851 und 1869 das Fürstentum Gotha, das Herzogtum Anhalt und die Schwarzburger Fürstentümer hinzu. Als Paderborn 1930 zum Erzbistum erhoben wurde, erhielt das Suffraganbistum Fulda dem Preußenkonkordat gemäß das Dekanat Erfurt und alle Dekanate des Kommissariats Heiligenstadt. Dem 1958 gegründeten Bistum Essen wurden die Dekanate Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen und Wattenscheid abgetreten. Mit der Deutschen Einheit im Jahr 1990 wurde auch ein Anstoß zur Neuordnung der diözesanen Struktur Deutschlands gegeben und 1994 aus dem erzbischöflichen Kommissariat, der den östlichen Teil des Erzbistums Paderborn umfasste, das Bistum Magdeburg gegründet. Bei den Neuordnungen wurde das betreffende Schriftgut soweit vorhanden vom neuen Rechtsträger übernommen.

1920 hat J. Linneborn die Bestände des Bistumsarchivs inventarisiert. Im 2.Weltkrieg wurden die Archiv- und Registraturbestände rechtzeitig ausgelagert. Beim Bomben¬angriff am 27. März 1945 gingen daher außer den von den Regierungen Arnsberg und Minden stammenden Akten über das kirchliche Rechnungswesen (1820-1850) nur einzelne, nicht ausgelagerte Akten zugrunde. Bei der Rückführung des Schriftguts 1949 wurden die ausgelagerten Registraturakten sofort vom Archiv übernommen.

1930 gründete Prof. Stukenberg neben dem Bistumsarchiv die Archivstelle beim Generalvikariat zur Betreuung der Pfarrarchive. Nach 1945 übernahm das Archiv im Laufe der Zeit immer mehr die Aufgaben der Archivstelle, bis diese 1981 endgültig im Bistumsarchiv aufging. Bisher sind ca. 300 Pfarrarchive geordnet, gebunden und inventarisiert an die Pfarrämter zurückgegeben worden.

Im Bistumsarchiv wurden ab 1976 die Kirchenbücher aller Kirchengemeinden zur Sicherung des Inhalts verfilmt, soweit sie Eintragungen vor 1874— der Gründung der preußischen Standesämter— enthalten. Im Zuge dieser Aktion entstand die Kirchen¬buchabteilung. Die Pfarrämter können hier zur eigenen Arbeitsentlastung die älteren Kirchenbücher deponieren. Das Bistumsarchiv übernimmt die Aufgabe, Auskünfte zu erteilen und die Bände den Forschern vorzulegen. Seit den 80er Jahren verwaltet das Bistumsarchiv auch das Archiv des Metropolitankapitels. Mit dem Umzug des Erzbistumsarchivs in das Konrad-Martin-Haus bezogen Kirchenbuchabteilung und Haupthaus einen gemeinsamen Lesesaal.