Geschichte

Nachdem durch die Bulle „Dei ac Domini Nostri Jesu Christi“ vom 1. April 1818 - sie wurde am 23. September 1821 verkündet - das neue Bistum Speyer gegründet und umschrieben worden war, hat das Archiv des Bistums Speyer - daneben existieren auch die Bezeichnungen Bistums- und Diözesanarchiv - seinen Anfang genommen. In der Zeit des Fürstbistums Speyer wurde zwischen dem fürstbischöflichen Archiv und dem Archiv des Domkapitels unterschieden. Die Geschichte der beiden Archive lässt sich aufgrund des Quellenmaterials nur in ihren großen Zügen und unvollständig darstellen. Die Urkunden des fürstbischöflichen Archivs wurden 1523 in einer Lade auf der im Besitz des Fürstbischofs befindlichen Kästenburg (heute Hambacher Schloß) aufbewahrt, das Archiv des Domkapitels 1463 im „Gewölbe“ oberhalb der Sakristei der Speyerer Domkirche verwahrt. Beide Archive waren im Laufe der Jahrhunderte an verschiedenen Orten
untergebracht. Durch zahlreiche Auslagerungen traten starke Verluste ein; viele Urkunden und Akten gingen in Kriegszeiten verloren. Beim Stadtbrand von Speyer 1689 wurde mit dem Dom auch der Archivraum zerstört; wertvolle Dokumente gingen verloren, so die Stammbäume der älteren Zeit sowie alle Rechnungen des Domkapitels. Das fürstbischöfliche Archiv war im 18. Jahrhundert in der Residenzstadt Bruchsal im
Kanzleigebäude aufbewahrt. Während der Kriegswirren der Französischen Revolution musste das Archiv des
Domkapitels zusammen mit dem Domschatz von Speyer aus mehrfach geflüchtet werden. So gelangte es nach der Kanonade von Valmy zunächst nach Mainz, dann im Oktober 1792 nach Bonn, bald darauf nach Amsterdam, Bremen, Koblenz und nochmals nach Mainz. 1794 gelangten die Bestände des Archivs wie der Domschatz nach Würzburg, 1795 nach Minden/Westfalen, wo sie bis Sommer 1797 verblieben. Danach kamen Archivalien (und Domschatz) nach Frankfurt und von dort nach Bruchsal, wo sie im fürstbischöflichen
Schloss deponiert wurden. Zu Beginn des Jahres 1798 wurden die Archivalien nach Bauerbach bei Bretten geflüchtet, am 19. Februar nach Heilbronn. Der Fluchtweg führte schließlich wieder nach Bruchsal zurück. Am 19. August 1800 musste die fürstbischöfliche Verwaltung die Akten mit linksrheinischem Betreff an die Franzosen in Mainz ausliefern.

Aufgrund der Säkularisation des Fürstbistums Speyer ging am 21. März 1803 der weitaus größte Teil des fürstbischöflichen Archivs und des Archivs des Domkapitels in Bruchsal in den Besitz des Markgrafen und späteren Großherzogs von Baden über. Er ließ die Archivalien von Bruchsal nach Karlsruhe bringen, wo sie sich größtenteils noch heute im Generallandesarchiv befinden. Nachdem am 1. Mai 1816 das Gebiet der heutigen Pfalz zu Bayern gekommen war, wurden dem neugegründeten Kreisarchiv Speyer von Karlsruhe diejenigen Archivalien, welche die linksrheinischen Gebiete betrafen, zurückgegeben. Dieses Archiv, das heutige Landesarchiv Speyer, verwahrt neben zahlreichen Urkunden von Klöstern und Stiften im
pfälzischen Raum einschließlich der Stadt Speyer auch Urkunden des Domkapitels und des Hochstifts Speyer. In der Zeit von 1868 bis 1873 überließ die Regierung des Großherzogtums Baden dem Reichsarchiv München weit über 2500 Urkunden zur Geschichte der Stifte, Klöster und Orte des Hochstifts Speyer. Heute werden diese Urkunden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München aufbewahrt. Der Schwerpunkte der Bestände im Bistumsarchiv liegt auf der Zeit nach der Neugründung der Diözese 1817/21. Vom Heiligen Stuhl wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass sowohl im Bayerischen Konkordat von 1817 wie auch in demjenigen von 1924 dem Staat die Verpflichtung auferlegt wurde, für die Archive der jeweiligen Bistümer die notwendigen Räume zur Verfügung zu stellen. Bezüglich des Bistums Speyer kam der bayerische Staat dieser
Verpflichtung jedoch nicht nach, denn er stellte für das Ordinariat, das Domkapitel und das Archiv lediglich den so genannten Vikarienhof, der bereits von den Franzosen als kirchliches Eigentum zurückgegangen war, zur Verfügung. In diesem Gebäudekomplex wurden auch noch die bischöfliche Wohnung und die Wohnungen für die Domkapitulare untergebracht. Unter diesen räumlich beengten Verhältnissen konnte sich das
Bistumsarchiv nicht rezht entfalten. Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete man ein Ordinariatsgebäude in Kleinen Pfaffengasse. Die Amtsräume des Ordinariates und das Archiv wurden aus dem
Vikarienhof in das neue Gebäude verlegt. Während des Zweiten Weltkrieges lagerte man die Archivbestände in den Kellerräumen des Ordinariats ein. Seit Juli 1983 besitzt das Bistumsarchiv nach umfassenden Baumaßnahmen im ehemaligen Gebäude des Pilger-Verlages (Rückgebäude) in der Kleinen Pfaffengasse allen archivischen Erfordernissen gerecht werdende Räume. Dem Verwaltungstrakt des Archivs
ist die Registratur des Bischöflichen Ordinariates räumlich angeschlossen. Im Verwaltungsaufbau des Ordinariates ist eine Real- und Personalunion zwischen Archiv und Registratur verwirklicht worden. Das Schnittjahr zwischen Archiv und Registratur ist 1975.