Archivische Quellen zum Zweiten Vatikanischen Konzil in deutschen Kirchenarchiven

Peter Pfister


Das 50. Jubiläum der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) war der Anlass, im Jahr 2011 eine Umfrage bei allen deutschen Diözesanarchiven, anderen kirchlichen Archiven sowie weiteren Einrichtungen, bei denen Nachlässe von Konzilsteilnehmern vermutet wurden, durchzuführen. Ziel war es, eine aktuelle Ist-Stand-Analyse über den Überlieferungs- und Erschließungsstand der Bestände zum Zweiten Vatikanischen Konzil in Deutschland zu erhalten. Auf das im Juni 2011 verteilte Rundschreiben antworteten erfreulich viele kirchliche Einrichtungen.

Aus Deutschland nahmen von 1960 bis 1965 insgesamt 5 Erzbischöfe, 21 Bischöfe, 28 Weihbischöfe und 4 Ordensobere teil. Dazu kamen 30 persönliche theologische Berater und offizielle Konzilsperiti. Allein die Anzahl der deutschen Konzilsväter, ihre vielen Ämter in Kommissionen und noch mehr ihre umfangreichen Interventionen lassen eine reiche, wichtige Überlieferung von deutscher Seite erwarten. Die Vorarbeiten der Konzilstheologen für die Konzilsväter, aber auch die Mitarbeit deutscher Periti in Konzilskommissionen verleihen deren archivischer Überlieferung eine große Bedeutung für die Geschichte des Konzils. Nicht berücksichtigt wurden in Rom tätige Kurienbischöfe und Theologen sowie aus Deutschland stammende Missionsbischöfe.

Die in den jeweiligen Beständen enthaltenen Quellengattungen sind zumeist ähnlich. Sie umfassen Konzilsdrucksachen, Korrespondenz, Interventionen in der Konzilsaula, Ansprachen und Hirtenbriefe, Veröffentlichungen von und über den jeweiligen Konzilsvater sowie Presseartikel über das Konzil.


Erschließung und Zugänglichkeit

Als wichtiges Ergebnis der Umfrage lässt sich festhalten, dass sich die Erschließungssituation in kirchlichen Archiven seit der letzten Bestandsaufnahme im Jahr 2001 durch Massimo Faggioli und Giovanni Turbanti (Istituto per le scienze religiose, Bologna) deutlich verbessert hat. Generell darf man konstatieren, dass den Überlieferungen zum Zweiten Vatikanischen Konzil in den kirchlichen Archiven inzwischen eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit zukommt. Für die Nachlässe und Akten vieler Konzilsteilnehmer, insbesondere der einflussreichen deutschen Konzilsväter, liegen Findbücher vor. Nur wenige Konzilsbestände sind noch nicht archivisch erschlossen und daher generell nicht zugänglich.

Die Frage der Zugänglichkeit ist unterschiedlich geregelt. Die meisten Überlieferungen unterliegen zwar noch der in der von der „Anordnung über die Sicherung und Nutzung der Archive der katholischen Kirche Deutschlands“ (Kirchliche Archivordnung) § 8 Abs. 3 für bischöfliches Schriftgut festgelegten Sperrfrist von 60 Jahren, häufig ist jedoch die Zugänglichkeit über eine Sondergenehmigung gemäß Kirchlicher Archivordnung § 9 möglich.


Übersichtsliste über die deutschen Bestände zum Zweiten Vatikanischen Konzil